Gedöns Manufactur

Seit 2012 beherbergt Lünen die einzige Gedöns-Manufactur weltweit. 
Ohne theoretischen Begründungsaufwand entstehen aus gesammelten Dingen und gemischten Materialien die unterschiedlichsten Arbeiten – Buchobjekte, Kleinkunst, Mixed Media und Ausgezeichnetes. Der Schwerpunkt liegt auf den Experimenten zur Umsetzung »wirkungsvoll gestalteter« Fragen.

Gründer und Betreiber der Gedöns-Manufactur ist Andreas Becker. Er sieht sich selbst als »Bricoleur«. »Bricolage« ist die Kreation oder Konstruktion eines Werkes aus Materialien, die zufällig zur Verfügung stehen. 

Bricolage

© creative vision

Das Wort »Bricolage« kommt aus dem Französischen und kann mit »Basteln« übersetzt werden. Gemeint ist das erkennbar manuelle Zusammenfügen von Materialien oder Gegenständen. 

Der Begriff »Bricolage« wurde das erste Mal 1962 vom französischen Ethnologen Claude Lévi-Strauss in seinem Traktat »Das Wilde Denken« definiert. Es geht um die Unterscheidung zwischen dem Ingenieur, der für die Problemlösung oft speziell hergestellte Materialien und Werkzeuge benutzt, und dem Bricoleur, der vorhandene Ressourcen nutzt.

Aus gefundenen oder zufällig vorhandenen Dingen entsteht etwas Neues. Dieses Neue muss einen fest definierten Zweck erfüllen: Es muss ein Problem lösen. Die Probleme müssen nicht rein materieller Art sein, sondern können auch sozialpolitischer, künstlerischer oder generell theoretischer Natur sein. Hier wird der Zweck der Bastelei also grundlegender und tiefgreifender.

Objekt oder Assemblage sind rein plastische Kunstarbeiten – während eine Bricolage einem ganz konkreten Zweck dient. Ästhetische Ansprüche oder kunsttheoretische Ansätze spielen vordergründig keine Rolle.

Eine Bricolage herzustellen, erfordert Kreativität und ein umfangreiches Wissen über Materialien und Gegenstände, aber auch über die Eigenschaften von Denkweisen und Handlungsmustern von Individuen und sozialen Systemen.

 

Der Prozess

© creative vision
Der Prozess der Bricolage basiert auf drei Anteilen:
1. dem Repertoire
2. dem Dialog
3. dem Bricolage-Prozess
 
Der erste Teil besteht aus einer Sammlung, die kontinuierlich ohne ein bestimmtes Ziel vorgehalten wird. Sie setzt sich aus Gegenständen und Kenntnissen über ihre Nutzung zusammen. Daraus ergeben sich aber keine brauchbaren Anforderungen.
Der zweite Teil heißt Dialog, bei dem die Elemente der Sammlung miteinander verbunden werden. Der Dialog ist das aktive Verhältnis der Elemente.
Daraus ergibt sich das Ergebnis des Bricolage-Prozesses – das zu erreichenden Ziel.
Erfolgreiches Bricolage setzt ein vertrautes Wissen über Ressourcen, sorgfältige Beobachtung, Vertrauen in die eigene Intuition, Zuhören und die Gewissheit voraus, dass sich jede erzwungene Struktur selbst korrigieren kann, wenn das Ego nicht allzu sehr beteiligt ist.

Erfolg

„Nichts verunsichert die Idioten mehr als Indifferenz gegenüber Erfolg. Dabei ist Erfolg doch nichts als Erfolg.“

Marcus Steinweg

Spielführer

Der Joker unter den Spielfiguren. Überall einsetzbar und unschlagbar.

Sprachverwirrung

„Wovon man nicht sprechen kann, darüber muß man schweigen.“
Ludwig Wittgenstein zitat: Wovon man nicht sprechen kann, darüber muß man schweigen. „Wovon man nicht sprechen kann, darüber muß man schweigen.“

Ludwig Wittgenstein

Vom höheren Sinn des Alltags

Durch ständige Wiederholungen des immer Gleichen stellt sich die Frage nach dem Sinn erst gar nicht.

Andreas Becker

1989:
Initialzündung: »beschmierter Friedrich« von Claes Oldenburg im Lehmbruck-Museum Duisburg. Von da an gab es kein Zurück mehr. Erste Versuche von Installationen, Malerei und Zeichnungen.
1990:
Jahrelange Kunststudien im »La Paloma« von Jörg Immendorf in Hamburg St. Pauli.
1994:
Das eigene Atelier – großformatige Bilder, Skulpturen, Objektkunst und Installationen. Sämtliche Mythen der Kunst durchlebt und deren Trugschluss erkannt.
1998:
Ausstellungen – mit der Erfahrung, dass Kunst in der Regel nur in geschlossenen Kreisen funktioniert. Große Ausnahme – eine Ausstellung in einem öffentlichen Park.
2009:
Abschied von der konventionellen Kunst. Annäherung an die Konzeptkunst. Produktion von Multiples.
2011:
Gründung der Gedöns-Manufactur. Gedöns sind nicht notwendige Gegenstände, die als überflüssig erachtet werden. Aus einer Vielzahl von Dingen und gemischten Materialien entstehen neue Arbeiten.
2015:
Aufgabe des Ateliers und endgültige Hinwendung zum »Kleinen und Komprimierten«.
2019:
Entdeckung einer anderen Art der Darstellung durch Tom Sachs: »Bricolage«.
2021:
Experimente zur Umsetzung »eindrucksvoll gestalteter Fragen«. Ich wähle bei meinen Arbeiten die Methoden
nach der jeweiligen Fragestellung aus. Die Idee bestimmt die Wahl der Mittel. Ein „einheitliches Werk“ oder eine „Wiedererkennbarkeit“ drücken sich nicht in meinen Arbeiten selber aus, sondern vielmehr in der Art des Verfahrens, den Fragen und Inhalten.
Dauert an.